4.1. Der mystische Weg beginnt im eigenen Inneren
Die spirituelle Führung in Form eines Buches stößt jedoch an ihre Grenzen. Letztlich kann selbst die direkte Führung in einem persönlichen Gespräch das eigene Forschen und Erkennen nicht ersetzen.
Die Wahrheit kann nicht außerhalb von uns selbst gefunden werden. Jeder von uns ist mit der Wahrheit ausgestattet. Sie ist nicht etwas, das irgendwo sonst gelernt werden kann. Ich selbst habe überall nach der Wahrheit gesucht, aber ich konnte sie nirgendwo sonst im Universum finden. Ich habe überall in der Geistigen Welt und ebenso auf der irdischen Welt gesucht und dabei viel gelitten; am Ende aber habe ich erkannt, dass Gott uns alles gegeben hat.
Es war eine große Überraschung. Bis dahin hatte ich es nicht gewusst, aber alle Antworten befinden sich in uns.
Wahrheit kann nicht gelehrt, nur entdeckt werden
Ein Teil dieses mystischen Weges muss von jedem Menschen selbst erforscht und individuell entdeckt werden.
Ich kann lediglich Impulse geben, die in den verschiedenen Phasen helfen können, bestimmte Aspekte wahrzunehmen und bewusster zu werden.
Zum Weg gehört auch, sich immer wieder der eigenen Situation bewusst zu werden.
Dazu kann es hilfreich sein, regelmäßig innezuhalten und sich folgende Fragen zu stellen:
- Was geschieht gerade in mir und um mich herum?
- In welcher Phase meines inneren Weges befinde ich mich?
- Was möchte mir diese Phase lehren?
- Was möchte ich Gott konkret im Gebet fragen?
Dabei ist es wesentlich, offen dafür zu bleiben, dass die Antwort ganz anders ausfallen kann, als wir sie erwarten.
Gott lehrt uns oft durch unsere eigenen Lebenserfahrungen und inneren Prozesse. Hier wird uns etwas gezeigt, und wir werden auf bestimmte Themen aufmerksam gemacht.
Die Antworten erhalten wir dann häufig im Gebet, wenn wir uns für die tieferen Ebenen unseres Wesens und für Gott öffnen.
In diesem Sinne liegen die Antworten in uns.
4.2. Wie können wir in uns forschen?
Das wesentliche Instrument zur Erforschung unseres Inneren ist das Bewusstsein – jenes Bewusstsein, mit dem wir achtsam unsere Wirklichkeit betrachten können.
Wenn wir es unterlassen, Wahrnehmungen und Erfahrungen sofort mit dem Intellekt zu deuten, bleiben wir offen und können dem Wesen der Dinge und Geschehnisse tiefer auf den Grund gehen.
Experimente als praktisches Hilfsmittel
Ganz praktisch können wir in Form von Experimenten bestimmte Vorgehensweisen oder spirituelle Praktiken über einen gewissen Zeitraum ausprobieren.
Nach einigen Wochen erfahren wir ihre Wirkung und können sie in Ruhe auswerten.
In diesem Sinne ist die Praxis, die ich vorschlage, ein Aufruf zum Ausprobieren.
Denke also nicht zu viel darüber nach – sondern probiere es einfach selbst. Wenn uns eine persönliche Frage wirklich am Herzen liegt und wir uns auf ein Experiment einlassen, sind wir innerlich beteiligt.
Wir lassen uns auf den Prozess ein.
Wenn wir hingegen warten und grübeln, bis alle Zweifel verschwunden sind, beginnen wir womöglich nie.
Wenn Gott wirklich existiert und Wahrheit real ist, dann wird sie auch einer ehrlichen Prüfung standhalten.
Mit einem Experiment schaffen wir die Voraussetzung, Wahrheit zu erkennen – nicht durch Nachdenken, sondern durch Erfahrung, vielleicht sogar durch Erleuchtung.
Je aufrichtiger unser Herz und je ehrlicher unsere Frage an Gott ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass uns eine Gnade der Einsicht oder Erleuchtung zuteilwird.