Part 1: A Mystical Approach

To the Prologue

A Draft for a Mystical Approach: Integrating Interreligious Perspectives and Practice

This chapter provides an introduction to mysticism and attempts to link Christian mysticism with Eastern, especially Buddhist mysticism. 

The mystical teachings of Sun Myung Moon – a Korean spiritual leader rooted in both traditions – serve as a valuable point of reference.

I place special emphasis on the connection to real human experience and the practice of various traditions.

Mystical practice and the resulting experiences are often more immediate and tangible than theoretical considerations or theological concepts. As a result, mysticism holds great potential for interreligious understanding.

My statements do not claim absolute truth. They are merely a draft and a first step in this interreligious consideration. 

My central concern is to look beyond the concepts so that we can open up, learn from each other, and continue to develop both our own path and our mystical practice.

When you go to the spiritual world, you realize that Confucius and Jesus are friends. Buddha and Mohammed are friends. Famous saints of Christianity and significant monks of Buddhism are friends. A curtain is the only thing between them; they all belong to the tribe of God. This curtain must be widely opened.

Book 5 2.1. P 996

Perspective Shift Between the Search for Truth and Mystical Experience

This book is directed especially at religious people who have so far engaged little with mysticism. 

Therefore, I emphasize in some places the difference between a faith-based approach, which is predominantly focused on truth, and the mystical approach. Both have their place and value.

By highlighting what distinguishes mysticism from traditional religious practices, it might give the impression that the latter appear less profound. 

Someone might feel hurt in their religious beliefs by this. That is not my intention. Should this be the case, I apologize.

The following explanations are written with the utmost respect for believers of all traditions.

1.1. Mysticism – the Path of Meditation and Prayer

The inner path to becoming one with God is the realm of mysticism, which could also be described as the path of prayer.

Why then meditation? The simplest answer is that the prerequisite for deep prayer is the ability to gather oneself, and through meditation, one attains this ability.

The deep prayer of the saints and mystics takes place on a different level than the conventional spoken prayer. 

It is pure prayer in the spirit. It goes beyond the mind or psyche – that is, beyond intellect, feeling, and will. It occurs on the level of the spirit, where no thinking takes place anymore. 

Any ordinary thought would disturb the intimate closeness to God.

To achieve this, one must learn to let go of all thoughts, feelings, and desires of the mind.

The more you let go, the closer you are to God.

We must reach the zero point of the mind... This is the standard that enables us to become a complete object of God... The zero point is a similar state to what Buddhists experience in Zen meditation.

1.2. Definitionen von Mystik

Der Ausdruck Mystik (von altgriechisch μυστικός mystikós ‚geheimnisvoll‘, zu myein ‚Mund oder Augen schließen‘) bezeichnet Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung. 

-- Wikipedia --

Mystik ist im Volksmund als Einswerden mit Gott oder dem Absoluten bekannt, kann sich aber auch auf jede Art von Ekstase oder verändertem Bewusstseinszustand beziehen, dem eine religiöse oder spirituelle Bedeutung beigemessen wird. 

 

Sie kann sich auch auf die Erlangung von Einsicht in ultimative oder verborgene Wahrheiten und auf die durch verschiedene Praktiken und Erfahrungen unterstützte menschliche Transformation beziehen. 

-- Wikipedia – übersetzt aus der englischen Version --

1.3. Äußere und innere Dimension des Glaubenslebens

Pater Bernhard, ein *Zisterziensermönch und Priester, sagt Folgendes:

Die Theologie und die Sakramente sind wie eine äußere Schale, die bereits etwas vom inneren Kern verrät. Der innere Kern ist die mystische Erfahrung mit Gott. Die Schale weist auf den Kern hin, aber wir können die Schale nicht "essen."

Unser Glaubensleben umfasst Handlungen wie das Studium heiliger Schriften, den Besuch von Glaubensveranstaltungen, die Ausübung von Ritualen, das Sprechen von Gebeten sowie religiös motivierte Aktivitäten zum Wohle anderer. 

Dies bezeichnen wir als einen religiösen Lebensstil. 

All diese Handlungen haben eine äußere und eine innere Dimension.

Pater Bernhard veranschaulicht dies mit der Metapher einer Schale und eines Kerns: 

Das Äußere kann uns zum Inneren führen, doch das Innere ist der direkte Zugang zu Gott.

Oft begnügen sich religiöse Menschen mit der Schale und hören auf, nach dem Kern zu suchen. Gelegentlich machen sie indirekte Erfahrungen mit Gott, etwa durch Gebetserhörungen: Wir beten, und etwas geschieht, das wir als Antwort Gottes deuten.

Die direkte Erfahrung hingegen ist die mystische Erfahrung mit Gott. 

Hier erleben wir seine Präsenz und Liebe unmittelbar in unserem Inneren. 

Mystik ist die reale Erfahrung der geistigen Wirklichkeit des lebendigen Gottes.

Der mystische Weg ist ein innerer Pfad, auf dem wir Gott direkt erfahren und eins mit ihm werden.

1.4. Die praktische Dimension der Mystik

Die Erfahrungen und Erkenntnisse der Mystik wurden über Jahrtausende gesammelt und weitergegeben. 

Es gibt keine verborgenen Geheimnisse – man muss lediglich an den richtigen Stellen suchen, die richtigen Bücher lesen und Menschen treffen, die diesen Weg kennen.

Mystik lehrt uns einen praktischen, konkreten Weg, wie wir eins mit Gott werden können. 

Es ist der Weg, den Menschen in verschiedenen Religionen über Jahrtausende gegangen sind. 

Mystik ist die Kunst des Gebets – der Weg, Gott im Inneren zu suchen und zu finden.

Zugang zum Geist und zum wahren Selbst

Auf dem mystischen Weg erhalten wir Zugang zu unserem Geist. 

Wir erkennen, dass wir nicht unser Denken und Fühlen sind, sondern dass unser wahres Selbst Geist ist. 

Dieses Geistige Selbst lernen wir konkret zu erfahren. 

Wir bekommen Zugang zu dem, was wir als Geistiges Gemüt und Herz bezeichnen – Bereiche, die uns im herkömmlichen Bewusstsein oft verschlossen bleiben.

Mystik sucht den direkten Zugang zu Geist und Gott, der reiner Geist ist. 

Begriffe wie „Erfüllt sein mit dem Heiligen Geist“, „Einheit von Geist und Körper“ oder „direkte Herrschaft Gottes“ werden dadurch konkreter erfahrbar.

Am Ende führt uns die Mystik zu unserem wahren Selbst und offenbart uns die Überraschung des Seins.

1.5. Was ist Mystik noch?

  • Mystik ist keine Philosophie, keine Theologie und keine Ideologie.
  • Mystik entspringt der Erfahrung und der Erleuchtung.
  • Mystik ist eine empirische Wissenschaft über den inneren Weg zu Gott.
  • Sie basiert auf den Erfahrungen und Erkenntnissen der Mystiker und Heiligen, gesammelt über Jahrtausende hinweg.
  • Mystik eröffnet einen praktischen und konkreten Weg, uns innerlich weiterzuentwickeln.
  • Sie ist die Kunst des Gebets.
  • Sie ist der Weg, Zugang zu unserem geistigen Gemüt und Herzen zu finden.
  • Sie ist der Pfad, unser wahres Selbst zu entdecken.
  • Sie ist der Weg, mit dem Heiligen Geist erfüllt zu werden.
  • Sie ist der Weg zur Einheit von Geist und Körper.
  • Mystik führt zur direkten Herrschaft Gottes.

Mystik und Theologie im Vergleich

Mystik ist keine Philosophie oder Ideologie, denn diese entstehen aus dem Denken.

Im Denken können wir alles konstruieren, auch ohne etwas zu beweisen. Auch Theologie ist keine Naturwissenschaft. Es gibt zahlreiche sich widersprechende Theologien. Jeder kann grundsätzlich glauben, was er will.

Theologie soll geistige Wahrheiten beschreiben. 

Ihre Wurzeln liegen in den mystischen Erfahrungen von Religionsgründern – in Offenbarungen, Erleuchtungen oder direkten Erkenntnissen. 

Aus diesen tiefen Erlebnissen wurden später theologische Systeme entwickelt, die in Lehren gefasst und weitergegeben wurden. 

Da sich diese Erfahrungen jedoch nicht beliebig wiederholen oder direkt weitergeben lassen, sind theologische Aussagen oft auf Interpretation und Glauben angewiesen.

Mystik: Ein Weg zur direkten spirituellen Erfahrung

Mystik hingegen basiert auf eigener Erfahrung. 

Sie geht davon aus, dass geistige Wahrheiten nicht nur überlieferbar, sondern durch bestimmte innere Voraussetzungen und Praktiken direkt erfahrbar sind. 

Wer eine bestimmte Haltung einnimmt, sich öffnet, seine innere Einstellung kultiviert und Praktiken ausübt, macht konkrete Erfahrungen – unabhängig von Zeit, Kultur oder Religion. Es ist unerheblich, ob jemand diesen Weg vor Tausenden von Jahren oder heute geht, ob er Christ, Buddhist, Muslim oder Anhänger einer anderen Religion ist.

In diesem Sinne ist Mystik eine empirische Wissenschaft. 

Wer es schafft, sich Gott nahe zu fühlen, kann erforschen, was diese Nähe verstärkt oder was sie wieder verschwinden lässt. Auf dieser Grundlage entsteht eine religiöse Ethik – aus der Erfahrung der Liebe Gottes. 

In der Nähe zu Gott spüren wir, was Sünde ist und was Tugend bedeutet.

1.6. Der Unterschied zwischen Mystik und Mysterium

Definitionen von chatGPT

Mystik ist der Glaube oder das Streben nach einer direkten, persönlichen Erfahrung des Göttlichen oder der ultimativen Wirklichkeit, oft durch innere Kontemplation oder spirituelle Praktiken.

Mysterium bezeichnet etwas, das schwer oder unmöglich zu verstehen oder zu erklären ist, oft verbunden mit verborgenen Wahrheiten oder unerklärlichen Phänomenen.

Die beiden verwandten Begriffe werden oft synonym verstanden, doch es gibt einen großen Unterschied zwischen ihnen. 

Für jemanden, der mystisch unerfahren ist, bleibt die Mystik vollständig geheimnisvoll. Jemand, der jedoch direkten Zugang zum Geist gefunden hat, wird viele Dinge erfahrbar und durch Erleuchtung offenbart. 

Die Realität und Wirklichkeit des Geistes wird für ihn greifbar und real.

Mystik ist ein konkreter Weg und eine Praxis, durch die man neue Erfahrungen macht und eine tiefgreifende innere Veränderung erlebt.

Andererseits bleibt Gott für das menschliche Bewusstsein immer mysteriös und nicht vollständig erfassbar. 

Wir bewegen uns auf einem Weg, um die mysteriöse Wirklichkeit dieses Universums immer mehr persönlich zu erfahren und zu begreifen. Dies geschieht durch eine Erweiterung des Bewusstseins, die neue Formen der Wahrnehmung eröffnet.

Ihr werdet ein neues, dreidimensionales Gefühl erleben, das ihr niemals vorher empfunden habt. 

1.7. Weitere Perspektiven auf die Mystik

Religionsgründer und Reformatoren waren Mystiker

Alle Religionsgründer und religiösen Reformatoren waren Mystiker mit konkreten, persönlichen Erfahrungen mit Gott. 

Sie haben diese Erfahrungen gelehrt und daraufhin Lehren sowie Gedankengerüste – Theologien – entwickelt. Diese Lehren wurden von anderen aufgenommen, gelernt und geglaubt. Daraus folgte das Praktizieren des Glaubens.

Das Praktizieren des Glaubens sollte zu eigenen mystischen Erfahrungen führen. 

Doch viele Gläubige bleiben im Glauben und im ethischen Leben stehen. Sie vertiefen sich nicht ausreichend ins Gebet und machen keine eigenen direkten Erfahrungen mit dem Geist und der Liebe Gottes.

Mystik ist ein Forschungsgebiet

Wie sich die Vorsehung Gottes weiter entfaltet, so kann auch die Mystik sich weiterentwickeln. 

Es ist ein reiches Forschungsgebiet, das sich mit der persönlichen Erfahrung des Einzelnen befasst, der diesen Weg geht. Erfahrungen und Erleuchtungen können gesammelt, strukturiert und für die mystische Praxis genutzt werden.

Der mystische Weg braucht viel Motivation

Ein strukturierter Überblick über den Weg, die Erfahrungen fortgeschrittener Praktizierender und eine klare Vorstellung einer funktionierenden, individuell anpassbaren Praxis wirken sehr motivierend. 

Motivation ist ein zentrales Thema auf dem mystischen Weg. 

Alles zieht unsere Aufmerksamkeit von Gott weg – die Anforderungen des Lebens, die Aufgaben des Alltags, die Verlockungen der Freizeit und die Medien.

All dies lenkt unser Bewusstsein nach außen und von Gott ab. Sogar religiöser Aktivismus kann uns vom Weg des Gebets abhalten.

Die Voraussetzung für ein fundiertes Gebetsleben ist jedoch, Gott mehr zu suchen als alles andere und die tiefe Sehnsucht nach Gott zu wecken.

Dafür müssen wir uns immer wieder neu motivieren. 

Dabei helfen uns mystische Schriften und Gemeinschaften von Menschen, die diesen Weg gemeinsam gehen.

1.8. Verschiedene Arten von Religionen

Mein Glaube ist, dass alle Religionen von Gott inspiriert wurden – in verschiedenen Kulturen, zu unterschiedlichen Zeiten und mit verschiedenen Zwecken oder Schwerpunkten.

Als moderne Menschen können wir nicht mehr sagen: „Ich glaube alles, was aus meiner Religion stammt, und nichts, was aus anderen Religionen kommt.“ 

Auf dem Weg zu Gott sollten wir von allem lernen, was von Gott kommt.

Religionswissenschaftlich unterscheidet man zwischen den Buchreligionen und den mystischen Religionen.

Abrahamische Religionen – Religionen des Buches:

  • Judentum
  • Islam
  • Christentum

Bedeutenste mystische Religionen

  • Hinduismus
  • Buddhismus

Die beiden Schwerpunkte der Religionen

Mystische Religionen

Bei den mystischen Religionen stehen Meditation und Gebet im Mittelpunkt. 

Sie konzentrieren sich auf den inneren, persönlichen Weg zu Gott. Die Inhalte der Schriften dienen dabei als Anleitung. 

Der Glaube bezieht sich hier darauf, dass jeder Mensch in der Lage ist, Gott zu finden. Dieser Glaube bietet eine starke Motivation auf dem Weg. 

Auf diesem Weg erfahren die Gläubigen die Erleuchtung der Wahrheit. Die Ethik entsteht aus der inneren Erleuchtung und der Erfahrung mit dem Heiligen Geist.

Letztlich geht es darum, aus der Liebe Gottes zu leben, der man sich nähert.

Gebetspraxis – Gotteserfahrung – Ethisches Leben und Nächstenliebe

Buchreligionen

Bei den Buchreligionen sind die Schriften und der Glaube an diese von zentraler Bedeutung. Daraus entspringt die Ethik, nach der gelebt werden soll. Neben den Sakramenten und Glaubensritualen ist die Nächstenliebe die bedeutendste Praxis.

Wahrheit – Glaube – Ethisches Leben und Nächstenliebe

Hier können wir erkennen, dass die Buchreligionen eher von außen angehen, durch das Verstehen, während die mystischen Religionen mehr durch innere Gotteserfahrung wirken. 

Beides ergänzt sich auf dem Weg.

1.9. Zweck der Religionen aus der Perspektive der Vorsehung Gottes

Aus der Perspektive der Vorsehung Gottes, wie sie im GP (Göttliches Prinzip) verstanden wird, könnte man den besonderen Zweck des Judentums und des Christentums als die Wiederherstellung der Blutslinie Gottes begreifen, die beim Sündenfall verloren ging. 

Daraus entsteht ein sündenloser Mensch, ein zweiter Adam und letztendlich eine zweite Eva. 

Durch die „Anpfropfung“ kann der Mensch wieder in einem sündenlosen Zustand, wie vor dem Sündenfall, hergestellt werden.

Der besondere Zweck der mystischen Religionen ist es, den Menschen persönlich wiederherzustellen und ihn zu einem Zustand der Geist-Körper-Einheit und inneren Einheit mit Gott zu führen. 

 

Drei Wachstumsstufen

Laut dem GP sollte der Mensch idealerweise die Geist-Körper-Einheit erreicht haben und bis zum Ende der Wachstumsstufe herangereift sein, um dann den Messias zu treffen.

Hier findet die Anpfropfung an die Blutslinie Gottes statt und die himmlische Ehesegnung. Auf dieser Grundlage wächst der Mensch als Paar und Familie durch die Vollendungsstufe zu himmlischen Geistern heran.

Diese beiden Fundamente der mystischen und der Buchreligionen führen letztendlich zusammen zu dem großen Ziel der Wiederherstellung: 

Menschen in direkter Herrschaft Gottes, die als Familien, Stämme und Nationen das Himmelreich auf Erden bilden.

Der Kern seiner (Sun Myung Moon) Lehre war der Wunsch, jede Person zu führen, um eine gottzentrierte Einheit von Geist und Körper zu erreichen - ein göttliches Gleichgewicht des Selbst als Sohn oder Tochter Gottes.  


Auf dieser Grundlage lehrte er uns die nächste Stufe, die Segnung, bei der zwei Menschen als verheiratetes Paar in vollständiger Harmonie und Liebe zusammenkommen.  

1.10. Die beiden Bereiche Wahrheit und Geist im Christentum

Kirche – Wahrheit und Glaube

Ähnlich wie es die Unterscheidung zwischen Buchreligionen und mystischen Religionen gibt, finden wir auch in jeder Religion diese beiden Bereiche. 

Ein Beispiel hierfür ist das Christentum. In der Kirche, mit ihren Klerikern und Laien, wird die Wahrheit und Ethik gelehrt. 

Die Gläubigen glauben an diese Wahrheit und praktizieren sie. Was sie verstehen und anerkennen, versuchen sie im Leben zu verwirklichen. Verstand, Gefühl und Wille – die wesentlichen Instrumente der Psyche oder des Gemüts – spielen dabei eine zentrale Rolle.

Kloster – Heiliger Geist

Die Klöster mit ihren Nonnen und Mönchen repräsentieren den mystischen Bereich. 

Gebet und Kontemplation sind die zentralen Elemente der Praxis. Das Ziel ist es, selbst ein Tempel Gottes zu werden. 

Hier stehen der Geist Gottes und das Leben im Heiligen Geist im Mittelpunkt.

 

Dies repräsentiert die beiden Bereiche Wahrheit und Geist.

1.11. Die unterschiedlichen Ansätze von Wahrheit und Geist

Wahrheit und Glaube

Im Bereich der Wahrheit liegt der Fokus zunächst darauf, die Wahrheit zu erkennen und zu durchdringen. 

Der Gläubige durchläuft einen Prozess, in dem er durch Erkenntnis das Göttliche Prinzip immer tiefer verinnerlicht. Aus dieser Erkenntnis erwächst die Praxis der Nächstenliebe. 

Die Veränderung der Gesellschaft geschieht durch das Lehren und Vorleben der Wahrheit. 

Die Menschen sollen die Wahrheit verstehen, annehmen und in ihrem Leben verwirklichen. 

Dabei wird auf die verwandelnde Kraft der Wahrheit vertraut.

Geist und Mystik

Im Bereich des Geistes liegt der Fokus zunächst darauf, selbst ein liebender Mensch zu werden, in dem der Heilige Geist wohnt. 

Der Königsweg ist das Gebet im Geiste – die ständige Kontemplation. Es geht darum, das immerwährende Gebet zu werden. 

Aus der Liebe Gottes im eigenen Herzen folgt die Praxis der Nächstenliebe. 

Die Veränderung der Gesellschaft geschieht durch das Lehren des mystischen Weges, was Menschen inspiriert, denselben Weg zu gehen. 

Die Mystik vertraut auf die Kraft des Gebets. 

Der Glaube der orthodoxen Einsiedler Mönche ist, dass durch einen Menschen, der den Heiligen Geist in sich trägt, Tausende von Seelen gerettet werden.

1.12. Die Balance zwischen Wahrheit und Geist

Sun Myung Moon betont, dass es eine Balance zwischen Wahrheit und Geist geben sollte. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Methode der Wahrheit das Studium, den Glauben und die Praxis umfasst. Die Methoden des Geistes sind Meditation, Gebet und Achtsamkeit. Daraus folgt selbstverständlich eine ähnliche Lebensweise.

Der Unterschied liegt darin, dass die Handlungen hier nicht primär aus dem Verstehen, sondern aus dem Heiligen Geist initiiert werden. 

Wahrheit beginnt eher äußerlich, während Geist einen inneren Fokus hat.

If you want to preach for one hour, you must pray for eight hours.

Der Fokus des Ansatzes durch Wahrheit liegt auf der persönlichen Verantwortung, die aus dem Verständnis der Wahrheit erwächst. 

Der Ansatz des Geistes hingegen vertraut auf das Erlangen der Gnade Gottes und auf das Wirken Gottes selbst. 

Die Verantwortung besteht hier darin, die Voraussetzungen für dieses Wirken zu schaffen.

Im Göttlichen Prinzip wird erklärt, dass zur Verwirklichung des Willens Gottes 95 % der Verantwortung bei Gott liegen und 5 % beim Menschen. Diese 5 % erfordern vom Menschen jedoch vollen Einsatz – also 100 % Hingabe innerhalb seines Verantwortungsbereichs. 

Dennoch dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass das Wirken Gottes den weitaus größeren Teil ausmacht. Verantwortung und Vertrauen müssen in einer ausgewogenen Balance stehen.

Was bedeutet Vertrauen in der mystischen Herangehensweise?

Vertrauen bedeutet, eine innere Haltung einzunehmen, die nicht auf das eigene Wirken zentriert ist. „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ – Jesus Christus. 

Eine Haltung der Demut und Offenheit gegenüber Gott ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Gott wirken kann.

Wenn der Geist Gottes in uns wohnt, erfahren wir seine Führung direkt im Herzen. Wir orientieren uns weniger am analytischen Denken, sondern folgen mehr den Impulsen des Herzens. 

Der mystische Weg ist ein Weg der inneren Transformation, der uns zunehmend befähigt, uns der Führung Gottes anzuvertrauen. 

Dabei geben wir ein Stück Kontrolle über unser Leben an Gott ab – im Vertrauen auf sein Wirken und seine Liebe.

Gott vertrauen lernen im Gebetsweg

Im Gebet des Geistes lernen wir, Gott staunend zu betrachten – vergleichbar mit dem Blick in den Himmel in der Sehnsucht, eine Sternschnuppe zu sehen. 

Niemand weiß, wann sie erscheint, und niemand kann ihr Erscheinen beeinflussen. So kommt auch die Gnade Gottes zu ihrer Zeit und auf ihre Weise. 

Das liegt nicht in unserer Hand.

Unsere liebevolle Hinwendung zu Gott ist jedoch die Voraussetzung, um diese Gnade empfangen zu können. 

Auf dem Weg des Gebets wird das Verharren in dieser Haltung und das vertrauensvolle Warten zu einem Teil des geistlichen Weges. Die Zeit, die wir bis zum Erhalt der Gnade ausharren – manchmal auch durchleiden –, ist eine Form der Wiedergutmachung.

Wie schon dargelegt, ist es wesentlich, dass persönliche Verantwortung mit einem tiefen Vertrauen in Gottes Führung im Gleichgewicht bleiben.

 

1.13. Wahre Liebe

Wahre Liebe ist keine menschliche Liebe, sie ist Gottes Liebe.

Die Liebe, die du in der geistigen Welt teilst, ist nicht weltliche menschliche Liebe, sondern wahre Liebe. 

Ohne mit dem Heiligen Geist erfüllt zu sein, können wir keine wahre Liebe geben. 

Menschliche Liebe ist immer bedingt. Wir fühlen nicht die gleiche Liebe zu einem Menschen, den wir mögen, und zu einem Menschen, der uns verletzt und angreift. 

Die Liebe Gottes ist wie die Sonne. Sie strahlt bedingungslos auf alles. Sie richtet sich genauso an den übelsten Menschen wie an den besten und liebevollsten Heiligen.

Wenn du die Sonne anschaust, wisse, dass sie die Lebenselemente des gesamten Universums symbolisiert, und lerne die Liebe Gottes von ihr.

Göttliche Liebe – jenseits menschlicher Emotion

Auf dem mystischen Weg erfahren wir die Liebe Gottes direkt in unserem Inneren – eine Liebe, die nicht aus uns selbst entspringt, sondern aus Gott. 

Wir werden mit der Liebe des Heiligen Geistes erfüllt. 

Diese Liebe hat eine andere Qualität als die menschliche Liebe, die aus unseren eigenen Emotionen hervorgeht. 

Sie strahlt für jeden Menschen, für jedes Wesen und alle Geschöpfe.

Wir sollten uns bewusst machen, dass die Religionen von Menschen gegründet wurden, die Zugang zu dieser göttlichen Liebe hatten. Es war nicht ihre eigene, menschliche Liebe, sondern die Liebe Gottes, die durch sie wirkte.

Es ist möglich, aus dem Verständnis der Wahrheit über die Liebe Gottes zu predigen. Doch durch Studium und Verstand allein finden wir noch keinen Zugang zur göttlichen Liebe. 

Dafür braucht es eine religiöse Praxis, die uns durch eine innere Transformation führt.

2.1. Geist-Körper-Einheit

In diesem Kapitel möchte ich anhand des mystischen Begriffs „Geist-Körper-Einheit“, wie er im Göttlichen Prinzip verwendet wird, die verschiedenen Ebenen des menschlichen Wesens differenzieren.

Viele Missverständnisse in religiösen Betrachtungen entstehen dadurch, dass wir die Ebenen in uns nicht klar unterscheiden können. 

Der Begriff hat zudem das Potenzial, buddhistische und christliche Blickwinkel zu verbinden.

Geist-Körper-Einheit im Göttlichen Prinzip

Im Göttlichen Prinzip wird die Geist-Körper-Einheit, ausgerichtet auf Gott, als der Zustand der persönlichen Vollkommenheit betrachtet. 

Diese Vollkommenheit ist nicht nur eine ethische oder moralische Praxis, sondern auch die Einheit mit Gott oder die Manifestation des unsichtbaren Gottes im Menschen. Gott, der menschliche Geist und Körper werden eins.

Vollkommenheit im christlichen Verständnis

Im christlichen Kontext wird die Vereinigung mit Gott als göttliche Vollkommenheit verstanden. Dies bedeutet, im Einklang mit Gottes Willen zu leben und nach geistiger Reinheit sowie moralischer Vollkommenheit zu streben. 

Im orthodoxen Christentum geht diese Vollkommenheit jedoch noch weiter: Sie wird nicht nur als ethische Lebensweise verstanden, sondern als die 

Vergöttlichung des Menschen

Dieser Prozess, bekannt als Theosis, beschreibt die geistige Transformation, durch die der Mensch zunehmend die göttliche Natur in sich aufnimmt und in vollkommenem Einklang mit Gott lebt.

Geist-Körper-Einheit im buddhistischen Verständnis

Im Buddhismus bedeutet Erleuchtung ein geistiges Erwachen, das durch vollkommene Achtsamkeit gekennzeichnet ist.

Im Zustand der Erleuchtung erwacht das Bewusstsein, dass das individuelle Ich eine Illusion ist und wir mit allen Wesen eins sind. In diesem Zustand manifestiert sich der erwachte und mit allem verbundene Geist im Körper, wodurch Geist und Körper in vollständiger Einheit miteinander wirken.

Im nicht erleuchteten Zustand hingegen ist der Geist nicht vollständig im Körper manifestiert, und der Mensch wird von seinem verblendeten Ego und den illusionären Vorstellungen des Selbst gesteuert.

Eine vereinfachtes Verständnis

In der Vereinigungsbewegung wird die Geist-Körper-Einheit oft stark vereinfacht als Körperkontrolle und die Willenskraft, das Gute zu tun, interpretiert. 

Dies rührt daher, dass hier der Begriff rein aus der wahrheitsorientierten Perspektive betrachtet wird – Wahrheit verstehen und danach handeln – und nicht aus mystischer Sicht. 

Wenn wir uns mit diesem Verständnis zufriedengeben, bleibt uns die Tür zum wahren Verständnis der Geist-Körper-Einheit verschlossen. 

In der Folge finden wir auch keinen Zugang zu einer tiefgreifenden inneren Transformation und einer wirkungsvollen mystischen Praxis.

Die zentrale Frage beim Verständnis des Begriffs „Geist-Körper-Einheit“ ist: 

Was genau ist mit „Geist“ gemeint? 

Der Geist soll auf Gott ausgerichtet sein und gegenüber dem Körper die Subjektposition einnehmen.

Bei der Kontrolle des Körpers stehen jedoch meist der Verstand mit seinem Prinzipienwissen und der gute Wille im Vordergrund.

Beide – Verstand und Wille – sind zwar Bestandteile des Gemüts, gehören aber nicht zwangsläufig zum Geist.

2.2. Was ist Geist im Begriff Geist-Körper-Einheit?

Werfen wir einen Blick auf den Ursprung des Begriffs „Geist“, wie er im Zusammenhang der Geist-Körper-Einheit verwendet wird.

Wenn wir den ursprünglichen koreanischen Begriff für „Geist“ untersuchen, kommen wir zum chinesischen Begriff „xin 心“, der dem sino-koreanischen Begriff „Shim“ in „Shim-jeong“ entspricht oder dem ursprünglichen koreanischen Wort „Ma-eum“. Im Göttlichen Prinzip wird die Einheit von Geist und Körper als die Einheit von Ma-eum (Herz-Geist) und Mom (Körper) bezeichnet.
Religionswissenschaftler D.Z. 

Dies eröffnet eine tiefere Perspektive: Der Begriff „Geist“ – (im Englischen: „mind“ im Kontext der „mind-body-unity“) – ist im Göttlichen Prinzip (GP) besser als „Herz-Geist“ zu verstehen. 

Das spirituelle Herz jedoch ist kein Bestandteil des Gemüts, sondern des geistigen Selbst. 

Es bildet das Zentrum des geistigen Gemüts, welches wiederum der innere Teil des geistigen Selbst ist.

Was ist die allgemeine Bedeutung von Gemüt im Göttlichen Prinzip?

Im Kontext des Göttlichen Prinzips bezieht sich der Begriff „Gemüt“ auf die grundlegenden Aspekte des Verstands, Gefühls und Willens. 

Die grundlenden Aspekte des Gemüts sind Verstand, Gefühl und Wille.

Diese Aspekte bilden das, was in herkömmlicher Sprache als „Psyche“ bezeichnet wird. 

Die Psyche ist der Bereich des Menschen, der von der Psychologie erforscht wird.

2.3. Ist die menschliche Psyche das Geistige Gemüt?

Betrachten wir einen entscheidenden Hinweis aus einer Ansprache von Sun Myung Moon.

Menschen könnten verwirrt sein und denken, dass das Gemüt der Geist ist. Das Gemüt ist kein Teil der geistigen Welt. Aufgrund des Falls hat das Gemüt keine Beziehung zur geistigen Welt.  

Dieses Zitat verdeutlicht, dass das konventionelle Gemüt nicht Teil des spirituellen Selbst ist. 

Im Göttlichen Prinzip lernen wir jedoch, dass das Geistige Gemüt tatsächlich Teil des spirituellen Selbst ist, welches zur geistigen Welt gehört. 

Daraus können wir schließen, dass in diesem Zusammenhang der Begriff „Gemüt“ sich auf die allgemein verstandenen Funktionen von Intellekt, Emotion und Willenskraft bezieht – die menschliche Psyche

Wir lernen, dass dies nicht notwendigerweise Teil des spirituellen Selbst ist.  

In anderen Reden wiederum bezieht sich der Begriff „Gemüt“ auf das geistige Gemüt, das ein Teil des geistigen Selbst ist. 

Es scheint, dass der Begriff „Gemüt“ in den Ansprachen von Sun Myung Moon nicht immer die gleiche Bedeutung hat.

Erforschen wir nun das Gemüt als menschliche Psyche und das Geistige Gemüt.  

2.4. Sind Denken und Fühlen Geist?

Die Antwort auf diese Frage ist komplex und verlangt eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Ebenen des menschlichen Seins:

Tiere und ihre Natur

Tiere haben grundlegende Gefühle wie Freude, Angst, Ärger und Trauer.

Im GP wird erklärt, dass Tiere zwar eine „innere Natur“ besitzen, jedoch kein „Geistiges Selbst“ wie der Mensch. Sie können einfache Denkprozesse durchführen und haben ein Gedächtnis, aber keine Seele und kein Geistiges Selbst wie der Mensch. 

Wir können also annehmen, dass alle Grundgefühle und Denkprozesse im Körper und Gehirn erzeugt werden können, ohne dass ein Geistiges Selbst und ein Geistiges Gemüt vorhanden sein müssen. 

Das menschliche Gehirn 

Das menschliche Gehirn ist das am höchsten entwickelte Gehirn im Tierreich. 

Wir können daher erwarten, dass es in der Lage ist, komplexere Denkprozesse durchzuführen und differenziertere Emotionen hervorzubringen als das Gehirn eines Tieres.

Trotz seiner Leistungsfähigkeit bleibt das menschliche Gehirn jedoch ein körperliches Organ und somit Teil des physischen Körpers.

Es ist nicht identisch mit dem „geistigen Selbst“. Das Gehirn verarbeitet Informationen und erfüllt damit eine körperliche Funktion, während der Geist eine tiefere, immaterielle Dimension des Seins darstellt.

2.5. Sind Denken und Fühlen Geist, betrachtet aus der Perspektive der menschlichen Erfahrung?

Betrachten wir die Frage, woher unser Denken und Fühlen stammt, aus der Perspektive menschlicher Erfahrung.

Automatisches Denken

Automatisches Denken während der Meditation

In der Meditation erkennen wir sehr deutlich, dass Denken ständig automatisch von statten geht, ohne eine bewusste intension. 

Dieses Denken hält uns von einer tiefen Meditation und dem Zugang zu unseren tiefen Wesensaspekten und zu Gott ab. 

Automatisches Denken während des Tages

Wenn wir den Alltag aufmerksam beobachten, erkennen wir, dass der größte Teil unseres Denkens ohne bewusste Entscheidung einsetzt. 

Es wird entweder durch äußere Reize wie Informationen oder Wahrnehmungen oder durch innere Prozesse im Gemüt automatisch angestoßen. Diese Art des Denkens könnte durchaus vollständig im menschlichen Gehirn erzeugt werden.

Diese Form des Denkens steuert und vereinnahmt unser Bewusstsein maßgeblich. 

Sie erschwert es uns, achtsam zu bleiben und somit den Zugang zu unserer tieferen Wesensebene zu finden. 

Wollen wir uns für ein höheres Bewusstsein öffnen, müssen wir uns von diesem unbewussten Denken lösen. 

Dies entspricht der Erfahrung von Mystikern aller Religionen.

Doch wie verhält es sich mit bewusst initiiertem Denken? 

Ob es einer tieferen Ebene des Seins, dem Geistigen Gemüt, entspringt, hängt stark vom individuellen Zustand ab. Im Zustand der Geist-Körper-Einheit ist das Geistige Gemüt führend und initiierend gegenüber dem Physischen Gemüt.

Ist unser Geist jedoch noch nicht stabil etabliert, verlieren wir durch das ständige Denken und Reflektieren unsere Achtsamkeit und verfangen uns darin.

Daher ist es schwer vorstellbar, dass dieses Denken tatsächlich aus unserem eigenen Geist hervorgeht.

Ebenen von Gefühlen

Ähnlich verhält es sich mit Gefühlen. 

Affekte sind unmittelbare Reaktionen auf Erfahrungen – ein Phänomen, das auch bei Tieren auftritt. 

Dies ist also eventuell ohne das Vorhandensein eines Geistigen Gemüts möglich.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Gehirnforschung und Psychologie zeigen übereinstimmend, dass viele unserer Verhaltensweisen und Reaktionen von unbewussten Mustern gesteuert werden. 

Diese Muster sind – grob gesagt – in den Strukturen und Funktionsweisen des physischen Gehirns verankert.

Der Geist hat ein körperähnliches Element und ein gemütsähnliches Element (Geistiges Gemüt). Der Teil, der dem Gemüt des Geistes ähnelt, ist in der Geistigen Welt verankert. Er steht immer in Beziehung zu Gott. Das gemütsähnliche Element des Geistes kommt ohne eine Beziehung zu Gott nicht ins Dasein. 

 

Es ist wichtig zu verstehen, dass Geist und Gemüt zwei verschiedene Dinge sind. Das gefallene Gemüt hat keine Beziehung zu Gott. Es hat sich von ihm entfernt. Gott kann weder mit dem gefallenen Gemüt in Beziehung treten noch seine direkte Herrschaft über es ausüben.

Hieraus wird deutlich, dass das Geistige Gemüt mit Gott in Verbindung steht, während das herkömmliche Gemüt – also Verstand, Gefühl und Wille – eines gefallenen Menschen keine Verbindung zu Gott hat.

Es scheint, dass die Funktionen der menschlichen Psyche nicht notwendigerweise zum Geistigen Gemüt gehören. Sie sind zwar Funktionen des Gemüts, aber nicht unbedingt des „Geistes“, wie Sun Myung Moon erklärt.

Es gibt eine weitere spirituelle Ebene des Gemüts mit den Funktionen von Intellekt, Emotionen und Willen, die Teil des spirituellen Selbst sind – das Geistige Gemüt.

Der Beginn der Suche nach dem Geistigen Gemüt

All diese Überlegungen ließen mich daran zweifeln, ob unser herkömmliches Denken, Fühlen und Wollen tatsächlich aus unserem Geist und dem Geistigen Gemüt entspringen.

Das führte mich auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage, was das Geistige Gemüt wirklich ist. 

Wie können wir es erkennen, unterscheiden oder in uns finden?

Wenn wir nur über das Geistige Gemüt Zugang zu Gott haben, dann ist das für unser Glaubensleben von zentraler Bedeutung.

2.6. Das Geistige Gemüt

Hier folgt ein Zitat von Sun Myung Moon.

Jedoch, wenn spirituelle Energie in uns wohnt und das Erwachen unseres Geistigen Gemüts hervorruft, vereinen sich unser Geist und Körper auf natürliche Weise. Bis diese Art von Revolution in uns stattfindet und bis wir den Ursprung erkennen, der alles von der Wurzel her korrigieren kann, haben wir keinen Weg, das Ideal zu finden.

Fazit aus diesem Zitat:

  • Das geistige Gemüt muss zuerst erwachen.
  • Das Erwachen des geistigen Gemüts ist eine innere Revolution.
  • Durch diese Revolution können wir den Ursprung (Gott) entdecken.
  • Mit dieser Erfahrung kann alles von der Wurzel her korrigiert werden.
  • Wenn das geistige Gemüt erwacht, vereinen sich Geist und Körper auf natürliche Weise.
  • Dies ist der Weg, wie Geist und Körper vereint werden – nicht durch bloße Willenskraft.

Hieraus wird deutlich dass wir unser Geistiges Gemüt erst erwecken müssen bzw. einen Zugang dazu entwickeln müssen. Dies verlangt eine spirituelle Praxis. 

Zusammenfassung

Wir haben gelernt, dass das physische Gemüt, das unser Gehirn repräsentiert, grundsätzlich in der Lage ist, Emotionen und Gedanken zu erzeugen, ohne dass ein spirituelles Selbst oder ein Geistiges Gemüt erforderlich ist. 

Das Geistiges Gemüt ist ein tieferer Aspekt der menschlichen Existenz. 

Das Geistiges Gemüt ist nicht notwendigerweise aktiv in unserer menschlichen Psyche, die den Intellekt, die Emotionen und den Willen enthält.

Das Geistiges Gemüt muss erweckt werden, um die spirituelle Realität vollständig in unserem menschlichen Geist und unserer Psyche zu etablieren. 

Dies ist eine innere Revolution, die unseren Zustand grundlegend verändert. Dies kann nicht alleine durch Willenskraft getan werden.

2.7. Das Geistige Gemüt: Eine Tiefere Ebene des Seins erforschen

Wir haben begonnen zu ergründen, dass es im Menschen zwei Ebenen von Denken, Fühlen und Wollen gibt. Im Folgenden wollen wir einige Anhaltspunkte sammeln, die uns das Geistige Gemüt näherbringen.

Anhaltspunkte aus mystischen Lehren

Der griechisch-armenische Mystiker Georges I. Gurdjieff erklärt, dass es im Menschen höhere Zentren für Denken und Fühlen gibt, auf die gewöhnliche Menschen nur begrenzten Zugang haben. 

Dies könnte das Geistige Gemüt im Göttlichen Prinzip widerspiegeln.

Sun Myung Moon erwähnte, dass, wenn das Geistige Gemüt erwacht, man ein dreidimensionales Gefühl erlebt, wie man es zuvor nie empfunden hat. 

Dies deutet darauf hin, dass es eine andere Ebene von Gefühlen gibt als die, die wir in der menschlichen Psyche kennen.

Diese haben ihren Ursprung im Geistigen Gemüt.

Erfahrungen mit einer tieferen Ebene

In tiefer Meditation eröffnet sich ein direkterer Zugang zu einer anderen Art des Denkens. Diese wird gewöhnlich als Intuition bezeichnet und entspringt einer tieferen Ebene unseres Wesens.

Diese höhere Form des Denkens kann in einem Zustand der Achtsamkeit in unser bewusstes Denken hineinwirken.

Erfahrungen der Mystiker zeigen, dass sie Gefühle erleben, die gewöhnliche Menschen nicht erfahren. 

  • Im Zustand der Erleuchtung fühlen sie sich mit allen Wesen tief verbunden.
  • Wenn sie mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, empfinden sie eine Liebe, die sie in Qualität und Intensität noch nie zuvor erfahren haben.
  • Zudem wird von einer inneren Freude berichtet, die unabhängig von der Erfüllung unserer Bedürfnisse ist – eine Freude, die aus dem tiefen Inneren kommt.

Fazit

Abschließend können wir sagen, dass es durchaus eine tiefere, spirituelle Ebene von Denken und Fühlen gibt. 

Zu dieser Ebene hat jedoch nicht jeder Mensch direkten Zugang. 

Sie wirkt möglicherweise stellenweise auf unser Wesen ein. Um jedoch einen direkten Zugang zu erhalten, müssen wir diese tiefere Ebene unseres Geistes in uns erwecken und uns dafür öffnen.

2.8. Eine Metapher - Teelichtglas und die Sonne

Wenn wir den Geist auf Verstand und Gefühl reduzieren und alles, was wir über den Geist lernen, durch den Filter von Verstand und Emotionen erklären, dann ist es, als ob wir die Sonne in ein Teelichtglas einsperren. 

Die Sonne repräsentiert den Geist, und das Teelichtglas steht für unser Gemüt. 

Wir können die wahre Dimension des Geistes und Gottes – der reiner Geist ist – nicht durch den begrenzten Rahmen von Verstand und Gefühlen unseres Gemüts erfassen.

Sonne Teelicht Glas

Wir brauchen einen persönlichen direkten Zugang zu der Welt des Geistes

Der wahre Geist ist eine höhere, transzendente Realität, die nicht allein durch den Verstand oder die Emotionen erfasst werden kann. 

Um diese Dimension des Geistes zu erfahren, brauchen wir einen direkten, persönlichen Zugang – einen mystischen Zugang zur Welt des Geistes, der uns jenseits von Verstand und Gefühl führt.

2.9. Ist Geist-Körper-Einheit ausgerichtet auf Satan möglich?

In Vorträgen über das GP habe ich einmal das Konzept gehört, dass die Geist-Körper-Einheit auf Gott ausgerichtet sein muss, da es auch möglich ist, eine Geist-Körper-Einheit ausgerichtet auf Satan zu haben. 

Dies kann man so sehen, wenn man Geist-Körper-Einheit als reine Willenskraft versteht. Soldaten eines bösen Regimes wie den Nazis oder organisierte Verbrecher haben auch eine starke Willenskraft. 

Sun Myung Moon erklärt dies jedoch folgendermaßen: 

Gott, Geist und Körper bilden ein gleichschenkliges Dreieck. Je näher Geist und Körper kommen, desto näher ist man Gott. 

Es gibt also keine Geist-Körper-Einheit, die uns nicht Gott näherbringt. Sonst ist es keine wahre Geist-Körper-Einheit, sondern eine Einheit zwischen dem gefallenen Gemüt und dem Körper.

Geist-Körper-Einheit ist ein spirituell höherer Zustand und Bewusstsein. Hier ist das Geistige Gemüt Subjekt über das physische Gemüt, das Gehirn und den Körper. 

Wie wir im GP lesen, ist das Geistige Gemüt ist nicht von Gott trennbar und existiert nur in Verbindung mit Gott. 

Hier sehen wir wieder, wie wichtig es ist zu verstehen, dass unser Gemüt nicht der Geist ist und dass unser herkömmliches menschliches Gemüt oder die Psyche und das Geistige Gemüt verschiedene Ebenen darstellen.

2.10. Motivation der Begriffsklärung

Meine Motivation für die präzise Unterscheidung und Begriffsklärung ist, dass wir uns für eine geistige Realität öffnen, die wir bislang noch nicht erfahren haben. 

Dass wir uns neugierig auf eine sehr praktische Suche nach unseren Geist und dem Geist Gottes machen. 

Die Idee für die Klärung kam nicht aus dem Nachdenken, sondern aus eigenen Erfahrungen, die mir offenbart haben dass es noch viel mehr zu entdecken gibt.

Das hat mir gezeigt das wir mystische Beschreibungen oft zu einfach interpretieren und lehren, weil uns der Zugang und die Erfahrungen fehlen. 

Wir haben jedoch die Möglichkeit und Fähigkeit, einen persönlichen Zugang zu unserem Geistigen Gemüt und damit einen direkteren Zugang zum Geistigen Bereich und zu Gott zu finden.

Hierfür müssen wir zuerst ein erweitertes und differenzierteres Verständnis entwickeln. 

Letztendlich geht es mir darum einen für jeden gangbaren Weg aufzuzeigen, die mystische Welt des Geistes real zu erleben und selbst in Resonanz mit der wahren Liebe Gottes zu kommen. 

3.1. Buddhas Weg und Erfahrung

Betrachten wir, was Sun Myung Moon über Buddha aussagt. 

Auf diese Weise können wir die Begriffe präzisieren, Buddhas Erleuchtung besser verstehen und seinen eröffneten Weg im Lichte der Prinzipien einordnen.

Sobald du in einen Zustand der Liebe eintrittst, wirst du feststellen, dass jedes einzelne Wesen als das einzige, einzigartige Wesen existiert. Als der Buddha sagte: „Himmel und Erde, ich allein bin der Ehrwürdige“, sprach er nicht leichtfertig. In einem Zustand der Einheit zwischen seinem Geist und Körper sagte er: „So wie es jetzt ist und in der Vergangenheit war, sind Himmel und Erde in Harmonie. Indem ich in mich selbst schaue und alles in Bewegung betrachte, in das Reich der Resonanz wahrer Liebe eingetreten bin, kann ich sehen, dass Gott in mir wohnt, alle Dinge der Schöpfung in mir sind, und alle Dinge meine Freunde sowie Brüder und Schwestern sind. Da ich der Subjekt-Partner bin, bin ich wie ihr Eigentümer. Da ich der Subjekt-Partner bin, bin ich im gesamten Kosmos der alleinige Ehrwürdige.

Buddha befand sich nach seiner Erleuchtung im Zustand vollkommener Liebe und Geist-Körper-Einheit.

Er erkannte, dass Gott in ihm wohnt und dass es keine Trennung mehr zwischen Gott, ihm selbst und allen Wesen gibt.

Wenn du den Zustand der Einheit zwischen deinem Geist und deinem Körper erreichst, ist es dasselbe, was der Buddha erfahren hat. Es ist der Zustand, in dem du fühlen kannst: „Im Himmel und auf der Erde bin ich der Einzige, der geehrt wird.“ Wenn du im Zentrum der Dinge bist, kann keine Form von Energie im Bereich der Liebe in Aktion treten, ohne dieses Zentrum zu durchqueren.

Dieses Zitat verdeutlicht noch viel direkter, dass Buddha nach seiner Erleuchtung in den Zustand der Geist-Körper-Einheit eingetreten ist. 

Darüber hinaus wird klar, dass er zugleich den Bereich der wahren Liebe erreicht hat.

Wenn du in das Reich der Resonanz wahrer Liebe eintrittst, wirst du Himmel und Erde klar erkennen können. Der Buddha sagte: „Im Himmel und auf der Erde bin ich der Einzige, der geehrt wird.“ Er sagte dies, weil er, als er den Kern dieses Reiches der Resonanz betrat, die gesamte Welt in seinen Händen fand, Gott in ihm wohnte und das himmlische Gesetz mit ihm verbunden war.

In diesem Zitat wird deutlich, dass Gott in Buddha wohnte. Dies zeigt, dass Buddha in einem Zustand der Einheit mit Gott war.

Obwohl Buddha selbst kein Konzept von Gott entwickelt hat, war er dennoch eins mit Gott. 

Wir brauchen nicht zwangsläufig ein Konzept von Gott, um Gott direkt zu erleben. 

Der Weg der inneren Reinigung, Läuterung, Demut, Dankbarkeit und Achtsamkeit führt uns zur Erfahrung Gottes und nicht das Konzept. 

3.2. All-Eins-Bewusstsein

Buddha beschreibt den Zustand der Erleuchtung als ein Bewusstsein, mit allem eins zu sein. 

Die Trennung zwischen Gott und allen Wesen ist hier aufgehoben. 

Blicken wir noch einmal auf die Aussagen von Sun Myung Moon:

Sobald du in einen Zustand der Liebe eintrittst, wirst du feststellen, dass jedes einzelne Wesen als das einzige, einzigartige Wesen existiert… Indem ich in mich selbst schaue und alles in Bewegung betrachte, in das Reich der Resonanz wahrer Liebe eingetreten bin, kann ich sehen, dass Gott in mir wohnt, alle Dinge der Schöpfung in mir sind, und alle Dinge meine Freunde sowie Brüder und Schwestern sind. 

Sun Myung Moon bestätigt hier ebenfalls das All-Eins-Bewusstsein als den Zustand, in Resonanz mit der wahren Liebe zu sein, in dem Gott in einem wohnt.

Es handelt sich also nicht um ein rein buddhistisches Phänomen, sondern um eine Erfahrung, die jeder im Zustand der Geist-Körper-Einheit machen wird.

Warum ist es so wichtig, Buddhas Erleuchtung richtig einzuordnen?

Sun Myung Moon hat nicht präzise erklärt, wie wir den Zustand der Geist-Körper-Einheit erreichen können, genauso wenig wie Jesus im Detail erläutert hat, wie wir meditieren und beten lernen. 

Dieser Weg war bereits vor der Zeit Jesu durch Buddha eröffnet und bekannt.

Im Göttlichen Prinzip wird betont, dass wir idealerweise den Zustand der Geist-Körper-Einheit, also die persönliche Vollkommenheit, schon vor dem Treffen des Messias erreicht haben sollten, um dann die Veränderung der Blutslinie empfangen zu können.

Fazit:

Sun Myung Moon gibt uns mit seinen Aussagen einen wertvollen Hinweis: 

Wir können von Buddha lernen, wenn es um den konkreten, praktischen Weg zur Geist-Körper-Einheit geht.  

Parallelen in der Praxis buddhistischer und christlicher Mystiker

Sehr interessant ist, dass die frühen christlichen Mystiker, die das christliche Mönchtum in Ägypten begründeten, eine Gebetsform und Praxis entwickelten, die der Zen-Praxis in wesentlichen Punkten ähnelt.

So gibt es eine enge Parallele zwischen der Zen-Meditation und der Koan-Kontemplation einerseits und dem Jesusgebet als christlicher Kontemplation andererseits. 

Ebenso findet sich die Praxis der Achtsamkeit aus dem Zen-Buddhismus in der ständigen Wachsamkeit der christlichen Mönche wieder. 

3.3. Ein Vergleich mystischer Zustände

Betrachten wir die mystischen Zustände von Menschen verschiedener Religionen, erkennen wir große Ähnlichkeiten. 

Lediglich in der Bezeichnung und Interpretation dieser Zustände gibt es Unterschiede, da die jeweiligen Konzepte und Begriffe der einzelnen Lehren verwendet werden.

Im Folgenden möchte ich die mystische Erfahrung, die im Christentum als das „Erfülltsein mit dem Heiligen Geist“ bezeichnet wird, der vollkommenen Erleuchtung im Buddhismus gegenüberstellen.

Der Zustand des Erfülltseins mit dem Heiligen Geist

Zur Betrachtung der Erfahrungen christlicher Mystiker habe ich mir eine Beschreibung von einer KI ausgeben lassen. Hier die vollständige Version des Ergebnisses:

Das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist: Erfahrungen christlicher Mystiker

Betrachtet man die dort beschriebenen Erfahrungen, lassen sich folgende Aspekte erkennen:

   • Innere Erkenntnis und Erleuchtung
   • Nähe zu Gott
   • Direkte Erfahrung von Gottes Präsenz
   • Von göttlicher Liebe durchdrungen sein
   • Frieden und Freude
   • Einheit mit der Schöpfung

Wie christliche Mystiker erkennen, dass diese Erfahrung konkret vom Heiligen Geist kommt, wird jedoch nie eindeutig beschrieben. 

Wir könnten sie auch als eine mystische Gotteserfahrung bezeichnen, die aus dem geistigen Bereich stammt. In einer solchen Erfahrung geschieht etwas, das weder aus uns selbst noch aus der physischen Umgebung kommt. 

Es wirkt eine geistige Kraft auf uns ein, die uns Gott erfahren lässt.

Im Göttlichen Prinzip wird der Heilige Geist als die Manifestation des weiblichen Geistes Gottes verstanden. Die Liebe Gottes, die wir in einem mystischen Zustand erfahren, ähnelt der mütterlichen Liebe, die uns geistig eine neue Geburt schenkt.

Gemeinsamkeiten mit der buddhistischen Erleuchtung

Gemeinsamkeiten zwischen der christlichen mystischen Erfahrung und der buddhistischen Erleuchtung finden wir in den Aspekten:

  • Erkenntnis
  • Erleuchtung
  • Liebe
  • Frieden
  • Freude
  • Einheit mit der Schöpfung bzw. mit allem

Die Einheit mit Gott wird im Buddhismus nicht definiert, da Buddha keinen persönlichen Gott wahrgenommen hat. 

Vielmehr beschrieb er die Erfahrung der Einheit mit allem. Dennoch erklärte Sun Myung Moon, dass Gott in Buddha wohnte.

Die drei zentralen Ergebnisse mystischer Erfahrungen

Die drei wichtigsten Aspekte der verschiedenen mystischen Erfahrungen sind:

  • Die Erleuchtung durch geistige Wahrheit
  • Die Erfüllung mit göttlicher Liebe
  • Die Auflösung des individualistischen Bewusstseins und die Erfahrung der Einheit mit Gott und allen Wesen

Diese Erfahrung bringt tiefen inneren Frieden und größte Freude. 

Sie gilt als Höhepunkt des Menschseins und als Ziel des persönlichen religiösen Weges.

Welches ist dieses Ziel des menschlichen Lebens?

Die Vergöttlichung. Das Einswerden des Menschen mit Gott, nicht auf äußerliche oder sentimentale Weise, sondern existentiell und tatsächlich.

Nach dieser Erfahrung folgt die Praxis der Nächstenliebe.

Betrachten wir hier einige Zeugnisse, die zeigen, dass die Wirkung der Erleuchtung, wie sie Buddhisten erleben, zur Praxis der Nächstenliebe führt.

Ein berühmtes Koan beschreibt einen Schüler, der Erleuchtung erlangt hatte und gefragt wurde:

"Was tust du jetzt, nachdem du die Wahrheit gesehen hast?"

Er antwortete:

"Ich heile die Kranken und füttere die Hungrigen."

Aspekte der Liebe in der buddhistischen Erleuchtung:

 

Buddha selbst entwickelte nach seiner Erleuchtung unermessliches Mitgefühl für alle Wesen. Deshalb blieb er in der Welt und lehrte 45 Jahre lang, obwohl er hätte ins Nirvana eingehen können.

 

Huineng sagte: „Von Natur aus sind alle Wesen Buddha. Sie sind nur durch ihre Gedanken gefangen.“ Diese Erkenntnis brachte in ihm eine tiefe Liebe zu allen fühlenden Wesen hervor.

 

Hakuin erlebte nach seiner Erleuchtung eine zweite Krise, in der er erkannte, dass echte Befreiung nur dann vollkommen ist, wenn sie mit unermesslicher Liebe verbunden ist.

ChatGPT

Fazit:

Wir haben versucht, die Beschreibung der menschlichen Erfahrung von der Interpretation zu differenzieren.

Dadurch konnten wir erkennen, dass Menschen, die einen mystischen Weg gehen – sei es im Kontext des buddhistischen oder christlichen Glaubens – ähnliche mystische Erfahrungen machen. 

Gott führt religiöse Menschen zur Erfüllung mit Wahrer Liebe und zur Einheit mit ihm. 

Einheit mit Gott bedeutet zugleich Einheit mit seiner Schöpfung und mit allen Wesen. 

Dies wurde am Beispiel der Buddhisten und Christen erörtert, gilt jedoch ebenso für Mystiker des Hinduismus, die Sufis des Islam und für alle Menschen, die den Weg zu Gott suchen.

Sun Myung Moons Betrachtung hilft uns, über die Mauern zwischen den Religionen hinauszublicken. 

Diese religionsübergreifende Perspektive ist von unschätzbarem Wert, denn sie ermöglicht es uns, die Religionen in ihrem tiefsten Inneren zu verbinden. 

Darüber hinaus lernen wir, andere besser zu verstehen, und beginnen, voneinander zu lernen.

3.4. Einige Aussagen Sun Myung Moons über Meditation

Unser Geist lenkt uns ständig auf unserem Weg um. Er sagt uns: 'Dreh um. Kehre an den alten Ort zurück. Kehre an den tiefsten Ort in deinem Geist zurück.' Deshalb ermutigt uns der Buddhismus zur Meditation.

Wenn Menschen selbstbewusst sind, haben sie einen Ort tief in ihrem Herzen, an dem der Geist zur Ruhe kommen kann. Dein Geist sollte seinen Weg zu diesem Ort finden. Wenn er etwas von seiner Müdigkeit ausgeschlafen hat, wird er wieder empfindsam. Wenn du diesen Moment nutzt, um deinen Geist zu fokussieren, ohne andere Gedanken im Kopf zu haben, wirst du alles andere herausfinden können. Deshalb musst du meditieren und beten.

Du solltest dir Zeit nehmen, um mit deinem Geist Freude zu erleben. Für andere mag es so aussehen, als wärst du ganz allein, aber in dieser Zeit schließe Freundschaft mit deinem Geist. Setze dich mit deinem Geist an einen ruhigen Ort und meditiere. Dann wirst du in einen Zustand tiefen Gebets eintreten. Auf diese Weise wirst du in eine Welt eintreten, die niemand außer dir kennt. Solche Erfahrungen brauchst du.

4.1. Der Weg zum Nullpunkt-Zustand

Ein zentraler Begriff in der mystischen Lehre von Sun Myung Moon ist der Nullpunkt-Standard. 

Er beschreibt den Zustand des Gemüts, in dem wir zu vollkommenen Objektpartnern Gottes werden. 

Dieser Zustand ist essenziell für das Erreichen der Einheit mit Gott.

Im Folgenden werden wir eine der wichtigsten Reden Sun Myung Moons im Detail durchgehen, um den Nullpunkt-Zustand besser zu verstehen und die tiefere Bedeutung dieses Zustands zu erfassen.

Obwohl wir uns in einer Situation befinden mögen, in der wir Gott als Mittelpunkt unseres Glaubens verehren, ist unsere Position doch unklar. Wo sollten wir dann nach dieser Position Ausschau halten?

Obwohl unser Subjektpartner klar etabliert ist, können wir das nicht empfinden. Wir können eine solche geistige Angelegenheit nicht mit der gleichen Bestimmtheit wahrnehmen, mit der wir Dinge mit unseren fünf physischen Sinnen erkennen. Wenn wir uns überlegen, wie wir an dieses Problem herangehen sollten, dann wird uns klar werden, dass wir nicht damit beginnen können, den Subjektpartner zu untersuchen. Wir können diese Sache nicht wirklich anpacken, indem wir Gott selbst untersuchen. Wir sollten vielmehr damit beginnen, zuerst in uns selbst hineinzuschauen. 

Dieses Zitat liefert uns einen entscheidenden Hinweis für den mystischen Weg, um mit Gott eins zu werden. 

Der Weg beginnt nicht im Außen, sondern in uns selbst. 

Er führt nicht an unserem eigenen Inneren vorbei, sondern fordert uns auf, in die Tiefe unseres Selbst einzutauchen.

Der mystische Weg ist ein innerer Prozess, bei dem wir Gott in unserem eigenen Herzen und Geist suchen. 

Diese Reise nach innen ist der erste Schritt, um die Verbindung mit dem Göttlichen zu entdecken und zu vertiefen.

Jede Person besitzt ein Gemüt und einen Körper. Obwohl wir Gemüt und Körper besitzen, können wir nicht auf unseren Körper ausgerichtet nach dieser Position suchen. Die Suche sollte vielmehr auf das Gemüt ausgerichtet sein.

Der Begriff „Gemüt“ verweist in diesem Zusammenhang nicht auf die herkömmliche menschliche Psyche, sondern auf das Geistige Gemüt, den inneren Aspekt des geistigen Selbst. 

Daher liegt die wahre Suche nach Gott nicht allein in den psychologischen Prozessen des Körpers, sondern im Geistigen Gemüt, das einen höheren Aspekt unseres Selbst repräsentiert.

Die Suche nach Gott bedeutet somit die Suche nach diesem tieferen, geistigen Aspekt unseres Wesens – dem Geistigen Gemüt.

Dieses stellt unsere Brücke zur Welt des Geistes und zu Gott dar.

Es geht darum, sich von den oberflächlichen Aspekten der Psyche zu lösen und Zugang zum Geistigen Gemüt zu finden, das als das wahre Tor zu Gott und zur inneren Einheit mit ihm verstanden wird.

Wenn wir heutzutage gefallene Menschen beobachten, ob es tausend oder auch zehntausend sind, können wir dann beobachten, dass jeder das gleiche Gemüt hat? Obwohl die Wurzel vielleicht die gleiche sein mag, unterscheiden sich die Gemüter, abhängig von der Natur ihres jeweiligen Umfelds. Sie sind nicht alle gleich. Warum nicht? Unsere Gesichter unterscheiden sich, unsere Gewohnheiten unterscheiden sich, und die Gefühle, die wir empfinden, unterscheiden sich auch.

In diesem Zitat bezieht sich das „Gemüt“ auf das gewöhnliche Gemüt, also die menschliche Psyche.

Es wird hier darauf hingewiesen, dass, obwohl alle Menschen die gleiche grundlegende Natur haben, ihre individuellen Erfahrungen und Umfelder zu unterschiedlichen Ausprägungen ihres Gemüts führen. 

Unsere Erfahrungen, besonders im familiären und sozialen Umfeld, prägen unser Denken, Fühlen und unsere Gewohnheiten, weshalb sich unsere Gemüter voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede sind Ausdruck unserer einzigartigen persönlichen Entwicklung und der Art und Weise, wie wir als Individuen auf unsere Umwelt reagieren.

In gleicher Weise sind unsere horizontale Linie und die senkrechte Linie, mit der wir einen Winkel bilden, verschieden. Wir müssen den Winkel richtig einstellen.

Wenn ihr eine horizontale Linie betrachtet, dann erscheint sie wie eine Fläche. Aber wenn sie senkrecht steht, dann wird der Standard für diese senkrechte Linie anders sein. Wie passt ihr euch dem Nullpunkt an? 

Aspekte dieser Metapher:

  • In dieser Metapher wird die horizontale Linie als das variierende menschliche Gemüt, die Psyche, verstanden, die durch unterschiedliche Lebenserfahrungen geprägt ist.
  • Die senkrechte Linie hingegen repräsentiert das Geistige Gemüt, das laut dem Göttlichen Prinzip untrennbar mit Gott verbunden ist.
  • Der Winkel, den diese Linien bilden, muss korrekt eingestellt werden, um in Einklang mit Gott zu kommen. 

Ein Winkel von 90 Grad symbolisiert den Zustand des Gemüts, in dem wir uns mit Gott verbinden können – der Nullpunkt-Standard. 

Der „Nullpunkt-Standard“ beschreibt den Zustand, in dem das menschliche Gemüt optimal ausgerichtet ist, um sich direkt mit Gott zu verbinden.

Dieser Zustand ist die Voraussetzung, um die volle Einheit mit Gott zu erfahren.

4.2. Welcher Zustand herrscht beim Gemüt im Nullpunkt-Zustand?

Was für ein Standard ist das? Es ist etwas, das existiert, aber doch nicht existiert, oder etwas, das nicht existiert und doch vorhanden ist. Einen solchen Ort gibt es. 

Wer den Buddhismus kennt, weiß sofort, was hier gemeint ist. 

Es ist das „Nichts“, auf Japanisch „Mu“. Das bekannteste Rinzai-Zen-Koan, das eine buddhistische Kontemplation auf das „Nichts“ darstellt. Sun Myung Moon sagte einmal, dass das „Nichts“ im Buddhismus Gott ist.

Hinter jedem Inhalt des Gemüts, also Verstand, Gefühl und Wille, liegt ein Bereich im Menschen, den wir Geist nennen. 

Das Gemüt hat immer einen Inhalt. Um über das Gemüt in den geistigen Bereich vorzudringen, müssen wir allen Inhalt loslassen.

Das ist der Nullpunkt des Gemüts.

Dies ähnelt dem mystischen Prozess in der Praxis der Zen-Buddhisten, die in ihrer Kontemplation mit dem Koan „Was ist Geist?“ in den geistigen Bereich eintauchen. 

Die Antwort auf die Frage ist: „Kein Geist!“. 

Der Begriff Geist ist immer noch Inhalt und hält uns im Gemüt gefangen, doch Geist ist jenseits des Gemüts und somit von jeglichem Inhalt befreit.

Die Natur des Gemüts und des Geistes sind unterschiedlich

Für Menschen ohne mystische Erfahrungen mag es sehr seltsam klingen, dass Geist keinen Inhalt hat. 

Es ist jedoch die Erfahrung der Mystiker aller Religionen, dass man durch den Nullpunkt des Gemüts gehen muss um die Präsenz Gottes direkter zu erfahren. 

Das bedeutet nicht, dass Gott keine konkrete Botschaften gibt die Inhalt haben. 

Sobald etwas von Gottes Geist auf unser Gemüt trifft erscheint es wieder als für uns verständlicher Inhalt. 

Dann können Gottes Botschaft als Satz formulieren und kommunizieren. 

Jedoch ist die Kommunikation im Geist von anderer Natur als der Inhalt unseres Verstandes. 

Eine Person, die mit Gott eins ist, bleibt dennoch ein Individuum mit persönlichen Merkmalen. Sie vereint jedoch den Geist Gottes mit dem Gemüt und dem Körper eines einzelnen Menschen.

Wir erinnern uns an die Aussagen von Meister Eckhart. 

Je mehr du loslässt, desto näher bist du Gott… Gott ist dort, wo der Mensch aufhört.

Im Nullpunkt-Zustand des Gemüts sind wir frei von persönlichem Denken, Fühlen und Wollen und vollständig offen für Gott. 

Gott kann in uns einziehen und wohnen. 

Unser „Ich“ ist dann nicht mehr das menschliche Ego, sondern Gott, der in unserem Herzen, dem Zentrum des geistigen Gemüts, präsent ist. 

Das klingt wie ein Widerspruch zu der vorherigen Aussage. Ist der Mensch noch ein Individuum, nachdem er eins mit Gott ist? 

Ja und Nein – beides ist richtig. 

Im Nullpunkt-Zustand werden wir vollkommen offen für Gott. Gott zieht in uns ein. Im innersten sind wir in Resonanz mit Gott und wahrer Liebe. 

Gott wirkt in uns auf der Ebene des Geistes, aber durch die Ebene des Gemüts erhält sein Wirken Form und Ausdruck eines Individuums.

4.3. Wie finden wir den Weg zum Nulllpunk-Zustand?

Diejenigen, die Zen-Meditation üben, gebrauchen den Begriff Ekstase, um einen ähnlichen Zustand des Gemüts (Nullpunkt-Zustand) zu beschreiben. Ihr solltet fähig sein, eine solche geistige Stufe zu erreichen. 

Durch Zen-Meditation erreicht man also einen ähnlichen Zustand wie den Nullpunkt-Zustand.

Als Umkehrschluss könnte man sagen, dass wir etwas Ähnliches wie Zen-Meditation praktizieren müssen, um den Nullpunkt-Zustand zu erreichen.

Was ist dieser Zustand genauer?

Das Wort „Ekstase“ könnte irreführend sein. Das ursprüngliche Sanskrit-Wort für diesen Zustand ist Samadhi, auf Japanisch Sanmai (三昧) und wird üblicherweise als „meditative Versenkung“ übersetzt.

Samadhi ist ein Zustand den man in tiefer Meditation erreichen kann. 

4.4. Betrachten wir den Samadhi Zustand genauer anhand der Erfahrungen?

Beschreibung der Merkmale von Samadhi aus buddhistischer Literatur:

  1.  Einpünktigkeit des Geistes (ekaggatā): Der Geist wird fokussiert und von Ablenkungen befreit, was zu Klarheit und Stabilität führt.
  2. Tiefe Ruhe und Gelassenheit (samatha): Körperliche und geistige Unruhe werden überwunden, was zu einem Zustand der Stille führt.
  3. Freude und Glückseligkeit (pīti und sukha): In tieferen Samadhi-Zuständen treten oft Gefühle von Freude und Wohlbefinden auf.
  4. Transzendenz des Denkens: Der Zustand geht über das gewöhnliche diskursive Denken hinaus und ermöglicht direkte, intuitive Einsichten.

Hier ist die Beschreibung tiefer Meditationszustände anhand meiner Erfahrungen:

  1. Hier sind die automatischen Gedanken zu einem Ende gekommen. Ruhe und Stille sind eingekehrt.
  2. Das erzeugt auch eine innere Ruhe, Gelassenheit und Erleichterung.
  3. Man verweilt im reinen Da-Sein. Da-Sein ist ein sehr schöner und kraftvoller Zustand.
  4. Das Herz ist offen und bewegt. Man spürt das geistige Herz und darin Liebe und Freude. Man ist sich der Anwesenheit Gottes bewusst. Gott ist im Raum um einen herum und gleichzeitig im eigenen Herzen.
  5. Man ist zudem offen für den geistigen Bereich. Hier hat man Zugang zu Intuition und Inspiration. 

    Man ist der geistigen Welt sehr nahe, ohne Geister zu hören oder zu sehen. Dennoch fühlt man sich genauso in der geistigen Welt wie in der physischen Welt.

    Manchmal ist es, als ob der ganze Raum ausgefüllt ist mit einer Botschaft. Ich fühle etwas geistig sehr klar und deutlich, beispielsweise die Präsenz der wahren Mutter oder des wahren Vaters. Oder es ist jemand vom Berg Athos anwesend. 

    Wenn man hier selbst einen Gedanken denkt, hat dieser große Wirkung. Da man sich in einem Zustand natürlicher Ehrfurcht befindet, denkt man hier nicht einfach, etwas, außer es hat wirklich eine große Bedeutung und ist stimmig mit dem Herzen.

In tiefer Meditation sind nicht immer alle Aspekte gleichzeitig präsent. 

Es gibt unterschiedliche Zustände, in denen bestimmte Erfahrungen im Vordergrund stehen. Diese Zustände können sehr verschieden lang andauern.

Manchmal erlebe ich sie für ein paar Minuten am Ende der Meditation. Selten tritt ein solcher Zustand direkt zu Beginn auf. Oft sind es zunächst nur wenige Sekunden, gefolgt von wiederkehrendem Denken, bevor ich nach und nach länger eintauche und schließlich darin verweilen kann.

In jedem Fall ist geistige Unterstützung dabei entscheidend. Solche Zustände lassen sich nicht aus eigener Kraft erreichen – sie sind immer ein Akt der Gnade. 

Man wird sozusagen von Gott mit Liebe in diesen Zustand gehoben. 

Häufig geht dieser Erfahrung eine Phase voraus, in der man wochen- oder sogar monatelang mit sich selbst und der Meditation ringt.

Dann, plötzlich, erhält man die Gnade.

4.5. Der Nullpunkt-Zustand und Samadhi Erfahrungen

Wir haben also gehört, dass der Nullpunk-Zustand den Sun Myung Moon erwähnt dem Zustand von Samadhi ähnelt, der in Zen-Meditation erreicht werden kann.

Zudem haben wir die tatsächlichen Erfahrungen in diesem Zustand näher betrachtet.

Anmerkung zum Fokus des spirituellen Weges

Hier sei anzumerken, dass das Hauptziel des Weges nicht mystische Erfahrungen in der Meditation sind, sondern die Liebe Gottes in sich zu tragen und in den Handlungen des Lebens zu verwirklichen.

Lasst uns noch einen weiteren Punkt aus Sun Myung Moons Ansprache über den Nullpunktzustand betrachten.

Sobald ihr diesen Standard erreicht, werdet ihr etwas finden, das es eurem horizontalen Standard sicherlich ermöglicht, zu erwidern.

In diesem Zustand geschieht noch etwas Entscheidendes: Wir werden etwas finden, das es unserem menschlichen Gemüt, unserer Psyche, ermöglicht, auf Gott zu antworten. 

Bereiche unseres Gemüts treten in Resonanz mit Gott. 

An diesem Punkt wirkt Gott auf uns ein und bewirkt eine tiefgreifende innere Veränderung. 

Unser Gemüt wird von innen heraus gereinigt. Auch in der christlichen Mystik wird betont, dass das Verweilen im reinen Schauen auf Gott eine tiefgreifende Veränderung in uns bewirkt.

4.6. Der Weg zur transformation zum Objekt Gottes

Im folgenden Auszug aus einer Rede verbindet Sun Myung Moon einige wichtige Gesichtspunkte, die uns helfen, uns dem Begriff zu nähern.

Um spirituelle Erfahrungen zu haben, muss man zuerst beten. Du musst deinen Geist fokussieren. Wenn du kannst, solltest du zum Nullpunkt hinabsteigen.

Was ist der schnellste Weg, dies zu erreichen? Der schnellste Weg zum Nullpunkt ist, sich zu demütigen.

Deshalb konzentrieren sich Menschen, die Zen-Meditation praktizieren, auf die Frage: „Was ist der Geist?” Die Antwort ist sehr einfach. Da Gott das ewige, ideale Subjekt des Guten ist, kann der Geist jederzeit die Position eines unveränderlichen Objektpartners vor diesem Subjekt einnehmen. Dies wird in der Vereinigungskirche als der Geistiges Gemüt bezeichnet. Wenn du in einen mystischen Zustand im Gebet eintauchst und eine wechselseitige Beziehung mit Gott eingehst, dann erscheint transzendentale Kraft in dir. Es ist, als der Gautama Buddha das Nirwana erreichte und bemerkte: „Im Himmel und auf Erden bin nur ich der Ehrwürdige.”

Im Folgenden werde ich die verschiedenen Aussagen noch einmal einzeln im Detail betrachten.

Um spirituelle Erfahrungen zu haben, muss man zuerst beten. Du musst deinen Geist fokussieren. Wenn du kannst, solltest du zum Nullpunkt hinabsteigen.

Der Auszug beginnt mit der Frage, wie wir spirituelle Erfahrungen machen können. 

Welche Art von Erfahrung gemeint ist und zu welchem Zweck, wird erst im weiteren Verlauf deutlich. Der Weg dorthin ist das Gebet – den Geist zu fokussieren. 

Wir sollten, so weit es uns möglich ist, den Nullpunkt-Zustand anstreben.

Was ist der schnellste Weg, dies zu erreichen? Der schnellste Weg zum Nullpunkt ist, sich zu demütigen.

Der schnellste Weg ist, uns zu demütigen. Was damit genau gemeint ist, ist im Moment noch nicht klar.

Welche Bedeutung Demut auf dem spirituellen Weg hat und wie wir durch innere Reinigung auf dem Weg des Gebets demütig werden, wird in Teil 2 ausführlich beschrieben.

Hier sei nur kurz erwähnt, dass der Nullpunkt-Zustand ein Zustand vollkommener Leere und Offenheit für Gott ist – hier sind alles persönliche Denken, Fühlen und Wollen zur Ruhe gekommen, und wir können Gottes Gnade erfahren, die eine tiefe Transformation in uns bewirkt.

Deshalb konzentrieren sich Menschen, die Zen-Meditation praktizieren, auf die Frage: „Was ist der Geist?” 

Um sich in diesem Sinne zu ‚demütigen‘, praktizieren Menschen in der Zen-Meditation die Kontemplation über die Frage: „Was ist Geist?“

Die Antwort ist sehr einfach. Da Gott das ewige, ideale Subjekt des Guten ist, kann der Geist jederzeit die Position eines unveränderlichen Objektpartners vor diesem Subjekt einnehmen. Dies wird in der Vereinigungskirche als der Geistiges Gemüt bezeichnet.

Es geht hier nicht um eine intellektuelle Antwort, sondern um eine Erfahrung, zu der uns diese Kontemplation führt.

Wir werden unser geistiges Gemüt erfahren, was es uns ermöglicht, mit Gott, der reiner Geist ist, in direkte Beziehung zu treten.

Wenn du in einen mystischen Zustand im Gebet eintauchst und eine wechselseitige Beziehung mit Gott eingehst, dann erscheint transzendentale Kraft in dir.

In diesem Zustand wirkt eine transzendentale Kraft – christlich gesprochen empfangen wir eine verwandelnde Gnade, die uns zu Gottes Objekt erhebt.

Es ist, als der Gautama Buddha das Nirwana erreichte und bemerkte: „Im Himmel und auf Erden bin nur ich der Ehrwürdige.”

An dieser Stelle wird erneut die Brücke zu Buddhas Erfahrung geschlagen, als er den Zustand der Geist-Körper-Einheit erreichte.

Zusammenfassung

Der Nullpunkt-Zustand ist ein innerer Zustand, durch den wir zum Objekt Gottes werden können.

Anders ausgedrückt: 

Es ist der Zustand, den wir in uns selbst vorbereiten müssen, um Gott direkt in unserem Inneren erfahren zu können.

Um Gott in uns zu erfahren, müssen wir beten und nach innen gehen. In tiefer Meditation erreichen wir diesen Zustand, der dem Samadhi ähnelt – jenem Zustand, zu dem uns die Zen-Meditation führt.

Der Nullpunkt-Zustand ist ein Zustand vollkommener Leere und Offenheit für Gott – hier sind alles persönliche Denken, Fühlen und Wollen zur Ruhe gekommen. 

Damit haben wir die Voraussetzung geschaffen, um Gottes Gnade zu empfangen.

Diese bewirkt eine tiefgreifende innere Transformation, durch die wir zu Gottes Objekt werden.
 

4.7. Das Tor des Geistigen Gemüts

Im Anschluss spricht Sun Myung Moon über das Tor des Gemüts. 

Der Begriff „Gemüt“, wie er in diesem Abschnitt verwendet wird ist das Geistige Gemüt.

Es gibt ein Tor in eurem Gemüt und es wird das Tor des Gemüts genannt. Es öffnet sich nicht nur in eine Richtung. Da euer Gemüt sich dreht, bewegt sich auch das Tor. Ohne durch ein solches Tor zu gehen, könnt ihr, als ein Minus, keine Beziehung zum Plus aufbauen. Jeder besitzt ein solches Tor des Gemüts. Wenn ihr betet, dann bekommt ihr ein anderes Gefühl, abhängig vom Zeitpunkt eures Gebetes... 

Wenn das Tor Gottes und das Tor eures Gemüts vollkommen eins werden und sich um einen bestimmten Standard drehen, dann werdet ihr den Weg finden, auf dem ihr voll und ganz erfahren könnt, was Gott fühlt... 

Was solltet ihr tun, um diesen Zustand zu erreichen? Ihr müsst euer Gemüt kultivieren. 

Seid euch daher ständig der Tiefe eures Gemüts bewusst und versucht, das Tor zu eurem Gemüt zu öffnen. Versucht es dann auf den Ort auszurichten, an dem sich das Tor des Himmels befindet. In eurem Glaubensleben ist dies das kostbarste Ziel, das ihr erreichen könnt...

Ihr werdet ein neues, dreidimensionales Gefühl erleben, das ihr niemals vorher empfunden habt. Irgendwie werdet ihr dahin kommen, dieses unbekannte Gefühl zu erleben.

Zusammenfassung über das Tor des Gemüts

Sobald du den Nullpunkt-Zustand erreichst, wirst du das Tor des Geistigen Gemüts entdecken.

Das Tor des geistigen Gemüts dreht sich und ist zu bestimmten Zeiten mehr oder weniger für Gott geöffnet.

Indem du das Tor deines geistigen Gemüts auf Gott ausrichtest, wirst du fühlen, was Gott fühlt.

Aus meiner Erfahrung: Wenn du spirituelle Sensibilität entwickelt hast – was bedeutet, dass dein geistiges Gemüt erwacht ist – wirst du es spüren, wenn du in der Lage bist, dich innerlich Gott zuzuwenden.

4.8. Abschließend zu dieser Einführung in die Mystik

Dies war ein kurzer Einblick und eine Begriffsklärung über wichtige Begriffe der mystischen Lehre von Sun Myung Moon. 

Diese Begriffe haben wenig Beachtung in den Vorträgen über das Göttliche Prinzip gefunden, sind jedoch für den praktischen mystischen Weg von zentraler Bedeutung.

Durch die Verbindung mit altbekannten Begriffen aus den mystischen Religionen wie Hinduismus und Buddhismus sowie der christlichen Mystik können wir die Lehren miteinander verbinden und voneinander lernen. 

Wir können als Christen vom Buddhismus lernen, der eine sehr präzise, praktische Lehre über den Weg der Meditation und Kontemplation bietet. 

Auf der anderen Seite können wir die mystische Lehre von Sun Myung Moon erst verstehen, wenn wir die mystischen Lehren anderer Religionen kennen, da wir dadurch die Erfahrungen von Mystikern und Heiligen mit den Begriffen in Verbindung bringen können. 

Letztendlich erfassen wir die Mystik erst, nachdem wir selbst Erfahrungen im Bereich des Geistes und eigene Erleuchtungserfahrungen gemacht haben. 

Dafür brauchen wir jedoch einen konkreten, praktischen Weg, der uns dorthin führt.

Nicht zuletzt entwickelt sich die Vorsehung Gottes weiter. 

Sun Myung Moons Offenbarungen und Lehre, die wir als großes Update der christlichen Lehre verstehen können, müssen auch ein Update des mystischen Verständnisses und der Praxis nach sich ziehen.

Ausblick auf Teil 2

Im folgenden Kapitel wird präzisiert, was mystische Erfahrungen sind. 

Zudem werde ich anhand meiner eigenen Erfahrungen den Prozess auf dem Weg des Gebets hin zum Einswerden mit Gott darlegen, den mir Gott durch meine Erfahrungen angedeutet hat. Im nachfolgenden Kapitel geht es um die Praxis des Gebets.
 
Teil 2: Der Weg des Gebets – Phasen und Phänomene