Im Folgenden möchte ich über den möglichen spirituellen Gewinn durch Jesus und die Wahren Eltern sprechen. Dabei könnte es scheinen, als würde ich die interreligiöse Perspektive verlassen und mich wieder hinter die Mauern einzelner Religionen begeben. Deshalb behandle ich dieses Thema in einem gesonderten Kapitel.
Aus meiner Sicht bleibe ich jedoch innerhalb einer interreligiösen Perspektive. Warum sollten wir nicht gemeinsam über den Glauben an bestimmte Persönlichkeiten und die einzigartigen theologischen Errungenschaften einzelner Religionen sprechen?
Haben wirklich Buddhisten keinen Jesus, Christen keinen Buddha und Muslime keine Wahren Eltern?
In einem bereits erwähnten Zitat spricht Sun Myung Moon davon, dass er in der geistigen Welt erkannt habe, dass die Religionsgründer und viele Heilige der Geschichte Freunde sind – alle gehören zum Stamm Gottes.
Wenn alle Religionen von Gott initiiert sind – wovon ich überzeugt bin – dann sind es wir Menschen, die Mauern zwischen den Religionen errichten, nicht Gott. Doch Mauern sind nicht unendlich hoch. Ab einer bestimmten Höhe sind sie überwunden.
Überwindung religiöser Grenzen
Ist Jesus nur für die Christen gekommen, oder für die ganze Menschheit? Hat Buddha jemals gesagt, dass seine Lehre ausschließlich für Inder bestimmt sei und anderen verschlossen bleiben müsse? Natürlich sind geistige Errungenschaften für die ganze Menschheit gegeben.
Zu verschiedenen Zeiten wurde durch außergewöhnliche Persönlichkeiten etwas Neues geistig eröffnet – etwas, das zuvor nicht existierte und für frühere Generationen verschlossen war. Dies waren Erfolge Gottes und der Menschheit. Doch dann kamen Menschen und spalteten zwischen denen, die an das Eine glauben, und jenen, die etwas anderes glauben. Diese Spaltungen sind menschengemacht.
Wenn wir die Mauern in unserem Kopf auflösen, erkennen wir, dass wir alle Brüder und Schwestern sind – vereint auf dem Weg zu Gott.
Seit Jesus wurde etwas im Himmel geöffnet, das für alle Menschen errungen wurde. Dennoch heißt es oft, nur wer daran glaubt, könne davon profitieren – eine Abgrenzung, die erneut von Menschen geschaffen wurde. Doch ist diese Trennung vor Gott wirklich absolut?
Es scheint vielerorts noch ein Tabu zu sein, sich mit den geistigen Errungenschaften anderer Religionen zu beschäftigen oder etwas anzunehmen, das aus einer vermeintlich „fremden“ oder gar „feindlichen“ Tradition stammt.
Was geschieht, wenn wir die Mauern ignorieren?
Was wäre, wenn wir die Grenzen zwischen Religionen einfach überschreiten?
Manch einer würde sagen: „Spätestens bei den Sakramenten hört es auf. Wer nicht Christ ist, kann nur ein Anti-Christ sein.“
Doch es gibt christliche Geistliche, die zugleich Zen-Meister sind. Ich kenne einen Katholiken, der an die Wahren Eltern glaubt, und ein Mitglied der Vereinigungsbewegung, das sich bei den Baptisten taufen ließ.
Ist es vor Gott wirklich eine Todsünde, an einem Sakrament einer anderen Religion teilzuhaben?
Göttliche Einheit oder menschliches Chaos?
„Was für ein Durcheinander! Wo kämen wir da hin?“ – so mögen manche denken. Aber was würde Gott zu diesem „Durcheinander“ sagen?
Würde er uns, Christen mit Muslimen, Hindus mit Juden, Hand in Hand vor seiner Tür stehend, tatsächlich abweisen?
Ich verstehe, dass nicht jeder diese Überlegungen teilt. Es gibt durchaus berechtigte Ängste – etwa, dass unerfahrene Menschen in die Irre geführt werden könnten. Doch in einer modernen, globalisierten Welt lassen sich Grenzen nicht mehr dauerhaft aufrechterhalten – auch nicht zwischen Religionen.
Anstatt gegen diese Entwicklung anzukämpfen, können wir sie bewusst mitgestalten.
Wir erreichen nur gemeinsam das Ziel
Das bedeutet nicht, dass jeder alles können muss. Ein Team lebt von unterschiedlichen Stärken. Es ist nicht notwendig, dass alle dieselben Fähigkeiten besitzen – vielmehr sollten wir unsere Stärken gegenseitig ergänzen, um ein größeres Ziel zu erreichen.
Gottes Ziel ist nicht, eine Religion zum Erfolg zu führen, sondern eine friedliche Welt, in der Menschen in Liebe mit ihm verbunden sind.
In den folgenden Seiten werde ich meine persönlichen Erfahrungen im Glauben schildern und wie ich sie auf dem mystischen Weg erlebt habe.