2.7.h Unsere beiden Ich: das wahre Selbst und das Ego

Eine Perspektive, die für mich in diesem Prozess sehr hilfreich war, ist die Unterscheidung zwischen zwei Ebenen bei der Verwendung des Wortes „Ich“ – dem Ego und dem wahren Selbst. Der Prozess der Auflösung der Ego-Identifikation lässt sich für mich mit folgender Metapher veranschaulichen:

Stellen wir uns zwei Bäume vor, die nahe beieinander stehen. Der eine Baum symbolisiert das Ego, der andere unser wahres Selbst. Ein Mensch, der von einem zum anderen Baum gelangen will, ohne den Boden zu berühren, steht für unser Bewusstsein. 

Es wäre äußerst schwierig, sich vom Ego-Baum zum wahren-Selbst-Baum zu bewegen, indem wir beide Hände, mit denen wir uns am Ego-Baum festhalten, gleichzeitig loslassen. Doch es wird möglich, sobald wir einen Ast des wahren-Selbst-Baumes ergriffen haben. Dann können wir – mit etwas Mut – die Hand vom Ego-Baum vollständig lösen und uns mit beiden Händen zur Seite des wahren Selbst schwingen.

Die kritischste Phase dieser Transformation ist der Übergang, in dem wir das Ego loslassen müssen, ohne bereits festen Halt im wahren Selbst gefunden zu haben. 

Dies erfordert Glauben und Vertrauen in den mystischen Weg. 

Wenn wir also eine erste Ahnung von innerer Freude und Frieden bekommen haben – bildlich gesprochen bereits mit einer Hand einen neuen Ast ergriffen haben –, dann ist es möglich, das Ego vollständig loszulassen.

Sich mit dem wahren Selbst zu identifizieren bedeutet nicht, dass das Ego verschwindet. Es bedeutet vielmehr, dass wir uns als wahres Selbst erfahren und das Ego aus dieser Perspektive heraus erziehen können.

Wenn wir von „Ich“ sprechen, sollten wir uns bewusst machen, welche der beiden Wesensebenen wir meinen – das Ego oder unser wahres Selbst. 

Auf diese wichtige Unterscheidung werde ich später noch einmal zurückkommen.
 

© BLI - Thomas Schuh 2025